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  2. Bindungstypen

Bindungstypen

Die Bindungstypen nach Mary Ainsworth

Die Bindungstypen werden bei Kleinkindern in folgendem Experiment erforscht: Die Mutter verbringt Zeit mit ihrem Kind im Untersuchungsraum, sie verlässt ihn auf Anordnung der Versuchsleiter. Es wird beobachtet, wie das Kind auf die Trennung und auf die Rückkehr der Mutter reagiert.

1) Sichere Bindung
Kinder zeigen Erkundungsverhalten, das eingeschränkt wird, wenn die Mutter abwesend ist. Bei der Wiedervereinigung suchen sie aktiv die Nähe der Mutter und können schnell und effektiv beruhigt werden. Sie bauen positive Interaktionen mit der Mutter auf.

2) Unsicher (ängstlich)-vermeidende Bindung
Kinder reagieren kaum auf Trennung, erkunden weiter, aber vermeiden und ignorieren die Mutter bei der Wiedervereinigung. Zeigen hohen Stresspegel während der Trennung.
Kein Trennungsschmerz, um Zurückweisung zu vermeiden.

3) Unsicher-ambivalent (anklammernde) Bindung
Die Trennung belastet sehr stark. Widersprüchliches Verhalten bei der Wiedervereinigung: Suchen die Nähe der Mutter und sind zugleich wütend auf sie. Das Bindungsverhalten ist permanent aktiviert, um Trennung zu vermeiden.

4) Desorganisiert-abwehrende Bindung
Ungeordnete und stereotype Bewegungen, bedrückte Stimmung, Furcht vor der Bindungsperson. Suchen der Nähe bei der Wiedervereinigung, aber nonverbale Abwehr: Kein Augenkontakt, Kopfwegdrehen, steif und wenig anschmiegsam. Keine klare Bindungsstrategie

 

Erwachsene Bindungsstile:

Mit recht hoher Wahrscheinlichkeit erlauben die kindlichen Bindungstypen Voraussagen auf die erwachsenen Bindungsstile:

Sicherer Bindungsstil
Schätzt intime Freundschaften, kann nahe Beziehungen aufrechterhalten, ohne die persönliche Autonomie zu verlieren.
Emotionsregulation: Negative Gefühle bei Verlassenwerden aktivieren das Bindungsverhalten, um zu einer positiven Lösung (Trost, Beruhigung) zu kommen. Aufbau einer positiven Erwartung über einen guten Ausgang.

Ängstlich-vermeidender Bindungsstil
Geringer Selbstwert verbunden mit der Erwartung negativen und zurückweisenden Verhaltens vonseiten anderer. Vermeidung enger Kontakte als Schutz vor Zurückweisung.
Emotionsregulation: Hohe Lebensunzufriedenheit , chronische Aktivierung des Vermeidungssystems, hohe Spannung (Stress), gering entwickeltes Problemlösungsverhalten in Beziehungen, geringe Informationsverarbeitung.

Anklammernder Bindungsstil
Geringer Selbstwert verbunden mit positiver Bewertung anderer Menschen. Übermäßiges Engagement in nahen Beziehungen. Das persönliche Wohlgefühl ist abhängig von der Akzeptanz durch andere. Tendenz zur Idealisierung anderer.
Emotionsregulation: Fordern Nähe und bekommen nie genug. Chronische Aktivierung des Bindungssystems, hohe Spannung (Stress), gering entwickeltes Problemlösungsverhalten in Beziehungen, geringe Informationsverarbeitung. Beziehungskontrolle durch Schmerz und Angst.

Abweisender Bindungsstil
Betonung von Unabhängigkeit und Selbstvertrauen. Eingeschränkte Emotionalität. Abwertung der Bedeutung von nahen Beziehungen. Wenig Trennungsängste.
Emotionsregulation: Spüren wenig Gefühle (diese werden als störend erlebt), am ehesten Wut, und haben keine Kindheitserinnerungen. Innere Spannung wird in Unruhe und Leistung umgesetzt. Chronische Aktivierung des Vermeidungssystems, hohe Spannung (Stress), gering entwickeltes Problemlösungsverhalten in Beziehungen, geringe Informationsverarbeitung.
Beziehungskontrolle durch Wut, Aktivität und Kampfbereitschaft.